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Steuern

Kalte Progression: Die Steuerreform 2027 gleicht sie nicht voll aus

Redaktion · 17. August 2026

Kalte Progression: Die Steuerreform 2027 gleicht sie nicht voll aus – Illustration zur Rubrik Steuern
Ein Referentenentwurf aus dem Finanzministerium sieht bis 2028 rund 10 Milliarden Euro Entlastung vor – aber keinen vollständigen Ausgleich der kalten Progression. Das IW Köln rechnet vor, was das für mittlere Einkommen heißt.
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Tarif mit deinen Zahlen durchrechnen

Der Entwurf ändert Eckwerte, nicht deinen konkreten Bescheid. Eine grobe Steuer-Vorschau zeigt, ob Rücklagen oder ein Lohnsteuer-Freibetrag sinnvoll sind.

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Ein Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium sieht vorerst keinen vollständigen Ausgleich der kalten Progression vor. Das berichteten n-tv und dpa am 8. August 2026. In den vergangenen elf Jahren hat die Politik den Effekt jedes Jahr ausgeglichen. Der aktuelle Entwurf bricht mit dieser Praxis – und das trifft vor allem mittlere Einkommen.

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Was kalte Progression heißt, ohne Fachchinesisch: Steigt dein Gehalt nur so stark wie die Preise, hast du real nicht mehr in der Tasche. Rutscht du trotzdem in einen höheren Steuerbereich, zahlst du mehr ab. Genau das soll ein Tarifausgleich verhindern. Fehlt er, wird aus einer reinen Inflationsanpassung eine schleichende Steuererhöhung.

Was der Entwurf trotzdem bringt. Laut BMF-Zahlen, zitiert von n-tv, belaufen sich die Entlastungen ab 2028 auf rund 10 Milliarden Euro im Jahr – in zwei Stufen: etwa 3 Milliarden 2027 und 7 Milliarden 2028. Das [Institut der deutschen Wirtschaft](https://www.iwkoeln.de/studien/martin-beznoska-tobias-hentze-steuerreform-sieht-keinen-ausgleich-der-kalten-progression-vor.html) (IW Köln) zerlegt das Paket so: rund 5 Milliarden durch den höheren Grundfreibetrag, rund 1 Milliarde durch die Verschiebung des Spitzensteuersatzes, knapp 3 Milliarden durch mehr Kindergeld und rund 1 Milliarde durch einen um 200 Euro höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag.

Die konkreten Eckwerte (Entwurf, nicht Gesetz): Der [Grundfreibetrag](/steuern) soll von 12.348 Euro (2026, gesetzlich) in zwei Schritten auf 12.900 Euro bis 2028 steigen. Der 42-Prozent-Satz soll erst ab 70.600 Euro greifen statt heute 69.878 Euro. Das Kindergeld soll von 3.108 auf 3.264 Euro im Jahr steigen – das sind 272 Euro im Monat. Die Tabelle unten fasst das zusammen.

Was das IW für Singles vorrechnet. Bei einer kumulierten Inflation von 4,5 Prozent für 2026 und 2027 würde ein vollständiger Ausgleich inklusive Kindergeld und Kinderfreibetrag laut IW rund 15 Milliarden Euro kosten. Nach den Plänen der Bundesregierung bleibt ein Single mit 50.000 Euro Brutto um 114 Euro hinter diesem Ausgleich zurück, mit 80.000 Euro um 265 Euro. Bis etwa 100.000 Euro steigt die absolute Entlastung noch; ab rund 280.000 Euro kommt es laut IW zu Mehrbelastungen. Die geplante Schärfung der Reichensteuer verringert das Netto-Entlastungsvolumen um knapp 3 Milliarden Euro.

Das ist noch kein Gesetz. Ein Referentenentwurf ist der Start, nicht das Ende: Ressortabstimmung, Kabinett, Bundestag. Der Progressionsbericht kommt üblicherweise erst im Herbst – n-tv weist darauf hin, dass sich daran noch etwas ändern kann. Trotzdem ist die Richtung klar: gezielte Entlastung unten und in der Mitte, kein voller Inflationsausgleich über den ganzen Tarif.

Was du jetzt tun kannst – ohne Steuerberatung. Schätz deine Last für 2026 im [Steuerrechner](/steuern). Wenn du hohe Werbungskosten oder Sonderausgaben erwartest, prüf einen Lohnsteuer-Freibetrag – dann steigt das monatliche Netto sofort. Kapitalerträge: Sparerpauschbetrag 1.000 Euro (ledig) bzw. 2.000 Euro (zusammenveranlagt). Parallel läuft das [Jahressteuergesetz 2026](/magazin/steuern/jstg-2026-elster-nachzahlungszinsen) (ELSTER-Bescheide, höhere Nachzahlungszinsen) – das ist ein anderes Gesetz. Unsere ältere [Tarif-Prognose 2027](/magazin/steuern/einkommensteuer-prognose-2027) ging noch von einem vollen Ausgleich aus; der Entwurf ändert genau das. Im [Felix-Überblick](/felix) siehst du Steuer, Sparen und Budget nebeneinander.

Hinweis für Österreich. Österreich gleicht die kalte Progression weitgehend automatisch aus und schiebt die Tarifstufen jährlich. Wer in beiden Ländern verdient oder umzieht, sollte die Systeme nicht vermischen.

Fazit: Die Reform entlastet – aber nicht so, wie ein voller Ausgleich der kalten Progression wirken würde. Für mittlere Einkommen bleibt ein spürbarer Rest. Beobachte das Verfahren und rechne mit deinen Zahlen, nicht mit der Überschrift.

SteuernJetzt selbst rechnen: Steuerrechner

Einkommensteuer-Reform – Ist 2026 und Referentenentwurf (noch kein Gesetz)

Größe2026 (geltend)Entwurf 2027/28
Grundfreibetrag (ledig)12.348 €12.900 € (zwei Schritte bis 2028)
Beginn 42-%-Satz69.878 €70.600 €
Kindergeld (Jahr)3.108 €3.264 € (272 € / Monat)
Arbeitnehmer-Pauschbetrag+200 € (laut IW)

Quellen

Häufige Fragen

Gleicht die Steuerreform 2027 die kalte Progression aus?

Laut Referentenentwurf aus dem BMF (Stand August 2026, berichtet von n-tv/dpa) nicht vollständig. Elf Jahre lang wurde der Effekt ausgeglichen; der Entwurf bricht mit dieser Praxis. Es ist noch kein Gesetz.

Wie stark steigt der Grundfreibetrag?

Von 12.348 Euro (2026, gesetzlich) in zwei Schritten auf 12.900 Euro bis 2028 – laut IW-Auswertung des Entwurfs.

Was bedeutet das für ein mittleres Gehalt?

Das IW Köln rechnet für einen Single mit 50.000 Euro Brutto 114 Euro weniger Entlastung als bei vollem Ausgleich, mit 80.000 Euro 265 Euro weniger. Das sind Modellrechnungen, keine Bescheide.

Ist das schon beschlossen?

Nein. Es handelt sich um einen Referentenentwurf. Ressorts, Kabinett und Bundestag können ändern. Der Progressionsbericht folgt üblicherweise im Herbst.