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Kredite & Darlehen

Klarna und PayPal Später bezahlen: Ab 20. November 2026 gelten Kreditregeln

rieder-enterprises · 08. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Zinsfreie Raten und Später bezahlen fallen künftig unter das Verbraucherkreditrecht. Kleinkredite unter 200 Euro und Drei-Monats-Fristen verlieren ihre Ausnahme. Direkt beim Händler bleibt Rechnungskauf bis 50 Tage möglich, Fernabsatz oft nur 14 Tage.

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Später bezahlen klingt nach Zahlungsart, ab dem 20. November 2026 ist es oft ein Verbraucherkredit. Dann gelten Kreditwürdigkeitsprüfung, vorvertragliche Informationen in Textform und Widerrufsrecht, auch wenn du keine Zinsen zahlst.

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Was ändert das Gesetz ab 20. November 2026?

Der Bundestag hat das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 am 17. April 2026 beschlossen. Es wurde am 18. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 139 verkündet. Die neuen Kreditregeln gelten nach Artikel 16 Absatz 1 ab dem 20. November 2026.

Hintergrund ist die EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225. Sie will zinsfreie Ratenkäufe und Buy-now-pay-later-Angebote dem klassischen Ratenkredit angleichen. Anbieter wie Klarna, PayPal Ratenzahlung oder Shop-Raten müssen dann dieselben Pflichten erfüllen wie Banken bei einem Ratenkredit.

Für dich heißt das: Der Klick auf Später bezahlen kann eine Schufa-Abfrage, ein Kreditangebot in Textform und ein Widerrufsrecht auslösen. Wer mehrere BNPL-Raten parallel hat, sollte die Summe kennen, bevor die Prüfung strenger wird.

Warum zählt Später bezahlen künftig als Kredit?

Rechtlich geht es um Finanzierungshilfen nach § 506 BGB in der neuen Fassung. Dort werden Zahlungsaufschub und sonstige Finanzierungshilfen den Regeln für Allgemein-Verbraucherdarlehen unterstellt, soweit keine Ausnahme greift.

Typisch ist das Modell mit Drittem: Der Händler liefert die Ware, ein Zahlungsdienst oder eine Bank finanziert die Rate. Genau diese Drittanbieter-Modelle fallen unter die neuen Pflichten. Rechnungskauf nur zwischen dir und dem Verkäufer bleibt unter engen Voraussetzungen außen vor.

Entgeltlich heißt: Jede Gebühr, auch eine Bearbeitungsgebühr oder ein versteckter Aufschlag, macht aus dem Aufschub einen entgeltlichen Zahlungsaufschub. Null Prozent Zinsen allein reichen nicht, wenn andere Kosten anfallen.

Ausnahme Nummer 5 in § 506 Absatz 1 Satz 2 BGB-neu: Der Unternehmer räumt dir selbst unentgeltlich eine Zahlungsfrist von höchstens 50 Tagen nach Lieferung oder Leistung ein, kein Dritter erwirbt Darlehen, Zahlungsaufschub oder Finanzierungshilfe, und bei Verzug entstehen dir nur begrenzte Kosten.

Welche Ausnahmen bleiben beim Händler?

Das ist der klassische Rechnungskauf beim stationären Händler. PayPal Später bezahlen oder Klarna Checkout mit Finanzierungspartner sind damit nicht automatisch ausgenommen, sobald ein Dritter die Forderung übernimmt oder refinanziert.

Fernabsatz mit großem Unternehmen: Wenn der Anbieter keine Kleinst- oder KMU-Größe nach Empfehlung 2003/361/EG hat und digitale Dienstleistungen im Fernabsatz verkauft, gilt Satz 2 Nummer 5 mit der Maßgabe, dass die Zahlungsfrist höchstens 14 Tage beträgt und kein Dritter die Finanzierung erwirbt. Online-Shops mit 30 oder 60 Tagen Zahlungsziel müssen ihre AGB also anpassieren.

Debitkarten mit Zahlungsaufschub bleiben außen vor, wenn ein Kredit- oder Zahlungsinstitut sie bereitstellt, die Mittel binnen 40 Tagen zinsfrei zurückzuzahlen sind und nur geringe Entgelte für die Zahlungsdienstleistung anfallen. Normale Kreditkarten mit Teilzahlung sind davon zu unterscheiden.

Bislang galten viele Mini-Darlehen nicht als Verbraucherkredit, wenn der Nettodarlehensbetrag unter 200 Euro lag oder die Laufzeit drei Monate nicht überschritt und nur geringe Kosten anfielen. Der Gesetzentwurf streicht diese Ausnahmen in § 491 Absatz 2 BGB-neu. Kleine BNPL-Beträge werden damit vollwertige Kredite.

Was passiert mit Kleinkrediten und Kurzlaufzeiten?

Dazu kommen Pflichten zur Kreditwürdigkeitsprüfung: Ein Darlehen darf nur gewährt werden, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist. Die Prüftiefe hängt von Art, Laufzeit, Höhe und Risiko ab. Null-Prozent-Raten verschwinden nicht, aber abgelehnte Anträge werden häufiger.

Vor dem Vertragsschluss musst du in Textform unterrichtet werden, unter anderem über den effektiven Jahreszins, Gesamtbetrag und Laufzeit. Auch bei 0 Prozent Zinsen kann der Effektivzins durch Gebühren steigen. Vergleiche deshalb immer den Effektivzins, nicht nur die Monatsrate.

Das Widerrufsrecht für Finanzierungshilfen bleibt, mit verkürzten Fristen bei ordnungsgemäßer Belehrung. Wer mehrere Bestellungen im Widerruf fenster storniert, muss die Rückabwicklung mit dem Anbieter sauber dokumentieren.

Was ändert sich bei Dispo und Überziehung?

Beim Dispo greifen § 504 und § 505 BGB-neu stärker. Nach Kündigung einer Überziehungsmöglichkeit muss die Bank dich mindestens 30 Tage vorher informieren. Wenn du die Überziehung in Anspruch genommen hast, musst sie dir vor Zwangsvollstreckung anbieten, den gekündigten Betrag in zwölf gleichen Monatsraten zum bisherigen Sollzinssatz ohne Zusatzkosten zurückzuzahlen.

Geduldete Überziehung ohne vereinbarte Kreditlinie braucht künftig klare Entgelte auf Papier oder einem dauerhaften Datenträger und regelmäßige Mitteilungen, mindestens monatlich. Wer dauerhaft im Minus lebt, sollte den Dispo früh umschulden, wie in Dispokredit ablösen beschrieben.

Übergangsrecht in Artikel 229 des Einführungsgesetzes zum BGB-neu: Verträge, die vor dem 20. November 2026 bestanden, bleiben unter dem alten Recht, solange sie nicht neu abgeschlossen werden. Für unbefristete Dispo- und Überziehungsverträge gelten ab dem 20. November 2026 ausnahmsweise neue Informations- und Nachsichtsregeln aus § 504 und § 505.

Welche Verträge bleiben beim alten Recht?

Wer heute schon mehrere BNPL-Verträge hat, sollte Fälligkeiten notieren. Nach November können Nachverträge und Verlängerungen unter dem neuen Regime laufen, auch wenn der erste Kauf noch unter alter Rechtslage begann.

Im Bundesdatenschutzgesetz kommt § 37a BDSG-neu zum Scoring. Automatisierte Entscheidungen über Verträge oder Zahlungsfähigkeit mit Wahrscheinlichkeitswerten unterliegen strengeren Grenzen, etwa kein Einsatz besonderer Kategorien personenbezogener Daten oder Kontobewegungen. Du kannst Auskunft über Kriterien und Gewichtung verlangen und die Entscheidung anfechten.

Was gilt neu beim Scoring?

Werbung für Kredite muss künftig einen klaren Warnhinweis tragen: „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“ oder eine gleichwertige Formulierung. Das steht im Anhang zur UWG als unlautere geschäftliche Handlung bei Kreditwerbung nach § 506 Absatz 1 BGB-neu.

Für die Aufsicht über Absatzfinanzierung verweist der Gesetzgebungsprozess auf das Absatzfinanzierungsaufsichtsgesetz in der BaFin-Gebührenordnung. Für dich ändert das vor allem, dass Anbieter stärker dokumentieren und kontrolliert werden, nicht dass ein neues Produkt entsteht.

Checkliste vor Später bezahlen

1. Drittanbieter erkennen. Steht im Checkout Klarna, PayPal Credit oder eine Bank als Finanzierungspartner, ist es künftig ein Kreditprodukt, nicht nur eine Zahlungsmethode.

2. Summe aller Raten. Öffne die Apps und addiere offene BNPL-Beträge. Mehr als eine Monatsrate Netto ist ein Warnsignal.

3. Effektivzins und Gebühren lesen. Auch 0 Prozent kann Gebühren enthalten. Bei echten Zinsen lohnt der Vergleich mit Sofortkredit oder Umschuldung.

4. Schufa-Daten prüfen. Kostenlose Datenkopie einmal im Jahr. Erklärungen zum Schufa-Eintrag findest du im Lexikon.

5. Widerrufsfrist im Kopf behalten. Bestellung und Finanzierung getrennt dokumentieren, Fristen notieren.

6. Händler-Rechnungskauf nutzen. Nur wenn kein Dritter finanziert und die Frist 50 Tage oder online 14 Tage nicht überschreitet.

7. Bei Rückstand sofort handeln. Mahnung ernst nehmen, mit dem Anbieter Raten planen, bei Überschuldung Schuldnerberatung oder Verbraucherzentrale kontaktieren, nicht auf Kredithai-Angebote fallen.

8. Dispo vor neuen Raten tilgen. Teurer Dispo schlägt zinsfreie BNPL, wenn du das Konto dauerhaft überziehst.

Dieser Text fasst das beschlossene Gesetz zusammen und ist keine individuelle Rechts- oder Finanzberatung. Mehr zur Rubrik Kredite und zu Geld leihen ohne Kreditfalle.

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Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225

PunktInhaltQuelle
GesetzGesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge und zur Regelung der Förderung klimaneutraler MobilitätBGBl. I 2026 Nr. 139
Verkündung18. Mai 2026recht.bund.de
Anwendung Kreditrecht20. November 2026Bundesrat Drucksache 209/26
BundestagBeschluss 17. April 2026, Drucksachen 21/1851, 21/2459, Beschlussempfehlung 21/5381dserver.bundestag.de
Werbung KrediteWarnhinweis „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“ oder gleichwertig§ 506 Abs. 1 BGB-neu, UWG Anhang Nr. 23e
Rechnungskauf Händlerunentgeltlich bis 50 Tage, kein Dritter erwirbt Forderung§ 506 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 BGB-neu
Fernabsatz große Händlerhöchstens 14 Tage Zahlungsfrist§ 506 Abs. 1 Satz 3 BGB-neu
Debitkarte Zahlungsaufschubausgenommen bei 40 Tagen, zinsfrei, geringe Entgelte§ 506 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 BGB-neu

Quellen

Häufige Fragen

Ab wann gelten die neuen BNPL-Regeln?

Die Kreditvorschriften des Gesetzes gelten ab dem 20. November 2026, verkündet im BGBl. I 2026 Nr. 139 am 18. Mai 2026.

Bleibt zinsfreies Später bezahlen erlaubt?

Ja, aber es kann ein Verbraucherkredit werden. Dann gelten Prüfung, Information und Widerruf. Nur der direkte Rechnungskauf beim Händler ohne Dritten bleibt unter den engen Ausnahmen in § 506 BGB-neu.

Was ändert sich bei Beträgen unter 200 Euro?

Die bisherige Ausnahme für Nettodarlehensbeträge unter 200 Euro entfällt in § 491 Absatz 2 BGB-neu. Kleine BNPL-Käufe werden voll reguliert.

Wie lange darf der Händler ohne Dritten warten?

Höchstens 50 Tage nach Lieferung oder Leistung, unentgeltlich und mit begrenzten Verzugskosten. Im Fernabsatz großer Anbieter oft nur 14 Tage.

Was passiert mit meinem Dispo?

Bestehende Kontoverträge bleiben grundsätzlich beim alten Recht, aber Informations- und Ratenangebote nach § 504 und § 505 gelten für unbefristete Überziehungsverträge ab dem 20. November 2026.

Ist das eine Rechtsberatung?

Nein. Wir fassen Gesetzestexte zusammen. Deinen konkreten Vertrag prüfst du beim Anbieter, bei der Verbraucherzentrale oder mit anwaltlicher Hilfe.