Zum Hauptinhalt springen
Soziales

Kindergeld 2027 ohne Antrag: Wer trotzdem noch beantragen muss

rieder-enterprises · 29. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Ab 1. Januar 2027 gilt antragsloses Kindergeld. Automatisch zuerst bei Geschwisterkindern. Erstgeborene und fehlende Daten brauchen weiter den Antrag.

Empfehlung der Redaktion

Erstes Kind 2027 nicht auf Automatik warten

Für das erste Baby bleibt der Antrag 2027 der sichere Weg. Die Familienkasse zahlt festgesetztes Kindergeld rückwirkend nur für sechs Monate vor dem Antragsmonat. Wer später kommt, verliert die frühen Monate auf dem Konto.

Kinderzuschlag zusätzlich prüfen →

Dein erstes Kind, das 2027 geboren wird, bekommt Kindergeld nicht automatisch aufs Konto. Das Gesetz zur Einführung eines antragslosen Kindergeldes erlaubt der Familienkasse den Verzicht auf den Antrag. Es schafft den Antrag nicht ab.

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Geld-Themen. Kein Spam.

Mit der Anmeldung stimmst du dem Erhalt des Newsletters gemäß unserer Datenschutzerklärung zu. Abmeldung jederzeit über den Link in jeder E-Mail.

Was steht im Gesetz vom 15. Oktober 2026?

Der Bundestag hat das Gesetz mit Zustimmung des Bundesrates beschlossen. Ausfertigung am 15. Oktober 2026, Verkündung im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 307 am 20. Oktober 2026, Inkrafttreten am 1. Januar 2027. Federführung: Bundesministerium der Finanzen.

Der neue § 67 Abs. 1 EStG bleibt die Regel: Das Kindergeld ist bei der zuständigen Familienkasse elektronisch nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz über die amtlich vorgeschriebene Schnittstelle zu beantragen. Die Familienkasse kann auf die elektronische Form verzichten, wenn du schriftlich und eigenhändig unterschrieben beantragst. Den Antrag kann außer dem Berechtigten auch stellen, wer ein berechtigtes Interesse an der Leistung hat.

Wann darf die Familienkasse auf den Antrag verzichten?

Der Verzicht steht in § 67 Abs. 2. Die Familienkasse kann in den Fällen des § 69 Satz 3 auf einen Antrag verzichten. Dann tritt das Eingangsdatum der Mitteilung des Bundeszentralamts für Steuern an die Stelle des Antragsdatums. Kann, nicht muss.

§ 69 Satz 3 neu knüpft den Pfad an die Geburt: Erteilt das Bundeszentralamt für Steuern wegen der Geburt eines Kindes eine neue Identifikationsnummer, übermittelt es der zuständigen Familienkasse unverzüglich die Daten des Kindes und, soweit vorhanden, die Daten der Personen, bei denen die Meldebehörde die Kinderdaten für die Lohnsteuerabzugsmerkmale gemeldet hat. Der gesetzliche Automatik-Pfad ist diese Geburtsmitteilung, nicht jeder Kindergeldanspruch.

Wer bekommt das Geld, wenn beide Eltern berechtigt sind?

Sind mehrere gleichrangige Berechtigte da, niemand bestimmt den Empfänger und niemand stellt den Antrag nach § 64 Abs. 2 Satz 3, wählt die Familienkasse in den Verzichtsfällen des § 67 Abs. 2 den Berechtigten aus. Das steht in § 64 Abs. 4 neu. Die Auswahl bleibt wirksam bis zum Ende des Kalendermonats, der dem Kalendermonat folgt, in dem der Familienkasse eine Berechtigtenbestimmung zugeht.

Wer bekommt Kindergeld 2027 wirklich automatisch?

Das Gesetz selbst nennt keine Frühjahrs- und Novemberwelle. Die zwei Stufen 2027 stammen aus der Umsetzung des Bundesfinanzministeriums und der Bundesregierung, nicht aus dem verkündeten Regelungstext.

Erste Stufe, laut BMF voraussichtlich im März 2027: Kindergeld für jedes weitere Kind von Eltern, die bereits mindestens ein älteres Kind haben, an die Person, die bisher das Kindergeld erhält. Hier liegen der Familienkasse Kontodaten und Anspruchsgrund schon vor.

Zweite Stufe, laut BMF voraussichtlich im November 2027: auch Erstgeborene, wenn mindestens ein Elternteil mit dem Kind im Inland wohnt, von diesem Elternteil eine IBAN bekannt ist und mindestens ein Elternteil im Inland arbeitet. Fehlen Daten oder bestehen Zweifel am Anspruch, bleibt es nach der Bundesregierung beim bisherigen Verfahren, oft mit Begrüßungsschreiben und vorausgefülltem Antrag.

Wer muss 2027 weiter einen Antrag stellen?

Du brauchst 2027 weiter einen Antrag, wenn dein Fall nicht in den Geburts-Verzicht fällt oder die Familienkasse nicht verzichtet. Das trifft typischerweise Erstgeborene vor der zweiten Stufe, Erstgeborene ohne die drei Voraussetzungen, Volljährige in Ausbildung oder Studium und jeden Fall mit Lücken bei IBAN, Wohnsitz oder Erwerbstätigkeit. Pflege- oder Adoptivverhältnisse liegen neben der reinen Geburtsmitteilung, sobald zusätzliche Nachweise den Anspruch tragen.

Wer schon Kindergeld für bestehende Kinder bezieht, muss dafür keinen neuen Antrag stellen. Neu ist nur das weitere neugeborene Kind, und genau dafür soll die erste Stufe den Antrag ersetzen. Ändert sich der Empfänger, brauchst du eine Berechtigtenbestimmung bei der Familienkasse.

Warum der Antrag trotzdem Tempo braucht

Bleibt es beim Antrag, gilt weiter § 70 Abs. 1 Satz 2 EStG: Die Auszahlung festgesetzten Kindergeldes erfolgt rückwirkend nur für die letzten sechs Monate vor Beginn des Monats, in dem der Antrag eingegangen ist. Der Anspruch selbst bleibt, das Geld der frühen Monate nicht. Verzichtet die Familienkasse, zählt das Datum der BZSt-Mitteilung als Antragsdatum.

Sind 267 Euro schon Gesetz?

Wie hoch das Kindergeld 2027 ist, steht in diesem Gesetz nicht. 2026 zahlt die Familienkasse 259 Euro je Kind (§ 66 Abs. 1 EStG). Die geplanten 267 Euro in 2027 und 272 Euro in 2028 stehen im Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027. Das ist kein Gesetz.

Das Kabinett beschloss den Entwurf am 2. September 2026. Der Bundestag beriet ihn am 8. Oktober 2026 in erster Lesung, der Bundesrat nahm am 16. Oktober 2026 Stellung, die Anhörung im Finanzausschuss ist für den 4. November 2026 angesetzt. Verkündet ist nichts davon. Die Eckwerte und die Gegenfinanzierung stehen in Steuerreform 2027, erste Lesung.

Derselbe Entwurf sieht vor, die Freibeträge für Kinder zusammen auf 10.056 Euro anzuheben. Das ist der steuerliche Gegenposten zum Kindergeld, keine Extra-Überweisung. Das Finanzamt prüft im Veranlagungsverfahren, was günstiger ist. Wer heute schon Kindergeld bezieht, müsste für eine spätere gesetzliche Erhöhung keinen neuen Antrag stellen. § 70 Abs. 2 Satz 2 EStG erlaubt sogar, bei bloßer Anhebung der Beträge auf einen schriftlichen Änderungsbescheid zu verzichten.

Was ist mit dem Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag bleibt ein eigener Antrag bei der Familienkasse, derzeit höchstens 297 Euro pro Kind für sechs Monate. Antragsloses Kindergeld ersetzt ihn nicht. Ohne laufendes Kindergeld gibt es keinen Zuschlag. Mehr dazu in der Rubrik Soziales.

Checkliste für Eltern 2027

1. Erstes Kind 2027: Antrag stellen. Warte nicht auf den November. Die Sechs-Monats-Grenze in § 70 EStG läuft vom Antragsmonat rückwärts.

2. Weiteres Kind: Konto prüfen. Hinterlegte IBAN und Adresse bei der Familienkasse müssen stimmen. Eine Meldung nur beim Einwohnermeldeamt ersetzt das nicht.

3. IBAN beim BZSt hinterlegen. Das BMF verweist auf ELSTER und die App IBAN+, wenn die zweite Stufe eine bekannte Kontoverbindung braucht.

4. 267 Euro als Entwurf behandeln. Planen ja, fest einbuchen nein, solange das Einkommensteuerreformgesetz 2027 nicht verkündet ist.

5. Kinderzuschlag separat prüfen. Der Zuschlag kommt nicht mit der Geburtsmitteilung. Er bleibt Antragssache.

Dieser Text gibt das verkündete Gesetz und die amtliche Umsetzung wieder. Er ist keine Sozial- oder Steuerberatung im Einzelfall.

SozialesJetzt selbst rechnen: Leistungs-Guide →

Antrag oder Automatik 2027 - Gesetzestext und amtliche Umsetzung (nicht dasselbe)

FallAntrag 2027Grundlage
Weiteres Kind, Kindergeld läuft schonFamilienkasse kann verzichten, Umsetzung voraussichtlich ab März§ 67 Abs. 2 EStG, BMF-Stufenplan
Erstes Kind vor der zweiten StufeAntrag nötig§ 67 Abs. 1 EStG, BMF (voraussichtlich bis November)
Erstes Kind ab Stufe 2, drei VoraussetzungenFamilienkasse kann verzichtenBMF/Bundesregierung, nicht der Gesetzestext
Datenlücke, Zweifel, fehlende IBANAntrag oder vorausgefüllter AntragBundesregierung
Volljährige in Ausbildung oder StudiumAntrag nötigkein Geburtsfall nach § 69 Satz 3
Höhe 267 / 272 Eurokein neuer Antrag, aber noch nicht GesetzEntwurf EStReformG 2027

Quellen

Häufige Fragen

Ab wann gilt das antragslose Kindergeld?

Das Gesetz tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Verkündet wurde es am 20. Oktober 2026 im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 307, ausgefertigt am 15. Oktober 2026.

Bekommt mein erstes Baby 2027 automatisch Kindergeld?

Nein, nicht automatisch. Der gesetzliche Verzicht auf den Antrag ist an die Geburtsmitteilung des Bundeszentralamts gebunden und steht im Ermessen der Familienkasse. Die zweite Umsetzungsstufe für Erstgeborene plant das BMF voraussichtlich erst für November 2027, und nur bei Wohnsitz, bekannter IBAN und inländischer Arbeit.

Wer bekommt Kindergeld 2027 ohne Antrag?

Zuerst Familien mit bereits laufendem Kindergeld, die ein weiteres Kind bekommen. Das BMF nennt dafür voraussichtlich März 2027. Das Geld geht an die Person, die bisher Kindergeld erhält.

Steigt das Kindergeld 2027 auf 267 Euro?

Das ist Entwurf, kein Gesetz. Aktuell gelten 259 Euro nach § 66 EStG. 267 Euro für 2027 und 272 Euro für 2028 stehen im Einkommensteuerreformgesetz 2027, das Bundestag und Bundesrat noch nicht verkündet haben.

Wie weit zahlt die Familienkasse rückwirkend?

Festgesetztes Kindergeld wird nach § 70 Abs. 1 Satz 2 EStG rückwirkend nur für die letzten sechs Monate vor Beginn des Antragsmonats ausgezahlt. Verzichtet die Kasse auf den Antrag, zählt das Datum der BZSt-Mitteilung.

Ersetzt das den Kinderzuschlag?

Nein. Der Kinderzuschlag bleibt ein eigener Antrag und setzt Kindergeld voraus. Antragsloses Kindergeld ändert daran nichts.

Ist das eine Sozialberatung?

Nein. Wir geben den Gesetzestext und die amtliche Umsetzung wieder. Deinen Fall klärst du bei der Familienkasse oder einer Beratungsstelle.

Kindergeld 2027 ohne Antrag: Wer trotzdem noch beantragen muss · rieder-enterprises